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Dr. Monika Gommolla

“Eigentlich sollte es nur ein Hotel werden” – Maritim-Chefin Dr. Monika Gommolla

Vor 40 Jahren wurde das erste Maritim-Hotel gebaut. Inzwischen ist MARITIM eine Erfolgsgeschichte, die derzeit in China fortgesetzt wird. Zum Firmenjubiläum sprach Hotelchefin Dr. Monika Gommolla mit NRW.jetzt über ihr Unternehmen, ihre Philosophie und, was überaus selten ist, auch über sich.

Frau Dr. Gommolla, Maritim stand immer für Tagungen und Kongresse, in den letzten Jahren verstärkt auch für Urlaub. Was ist eigentlich Ihre Philosophie, was macht die Maritim-Hotels aus?

Die Maritim-Hotels unterscheiden sich maßgeblich dadurch von anderen, dass wir große Kongresskapazitäten in unseren Häusern anbieten – und das in zweifacher Form. Einmal, wenn wir selber unsere Hotels bauen, in der Weise, dass wir die Kongresszentren in unsere Hotels integrieren. Oder andererseits, dass wir mit Städten zusammenarbeiten, die ein städtisches Kongresszentrum planen, aber nicht wissen, wie es zu vermarkten und zu betreiben ist. In diesem Fall werden die städtischen Kongresszentren an uns angeschlossen und durch uns geführt. Wir bieten im gehobenen Vier-Sterne-Plus-Segment wie keine andere Hotelgesellschaft große Kongresskapazitäten an. Das sind teilweise enorme Investitionen. Die meisten Mitbewerber scheuen sich, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Auf der anderen Seite haben wir dadurch ein Alleinstellungsmerkmal und die Vermarktung ist ganz anders: Wir akquirieren einen Kongress und haben unser Hotel dann eben drei Tage komplett ausgelastet.

Das erste Maritim-Hotel wurde vor 40 Jahren in Timmendorf gebaut. Warum gerade dort?

Mein Vater war im Maschinenbau tätig. Nach dem Krieg hat er die Spanplatte mit erfunden, war dann Mitgesellschafter der weltweit führenden Firma, die Holzbearbeitungsmaschinen für Spanplatten baute, und hat sein Geld, nachdem er nach Bad Salzuflen zog, in den Wohnungsbau hier in der Region investiert. Dabei kam er mit Architekten zusammen und ist dann, weil er das spannend fand, als Kaufmann in ein Architekturbüro eingestiegen.
Mit diesem Architekturbüro fing man im Bauträgergeschäft an und gründete eine Baufirma, Innenausbaufirmen und alles, was eben so nötig ist für den Bau von Wohnungen, Schulen, Hospitälern, etc. Als der größte Bedarf weitgehend gedeckt war, mussten die Mitarbeiter weiter beschäftigt werden. So kam mein Vater, der im Maschinenbau auf der ganzen Welt unterwegs war und dann immer in Hotels übernachtete auf die Idee, ein eigenes Hotel zu bauen.
Er hat dann in Timmendorf einen geeigneten Standort gefunden und das Hotel mit dem eigenen Architekturbüro geplant und gebaut. Es sollte nur eins werden. Es wurden dann aber doch mehr…

… im Augenblick entsteht gerade das 50. Maritim Hotel weltweit…

…eben weil es dieses Segment Luxushotellerie außerhalb der norddeutschen Großstädte nach dem Krieg gar nicht gab. Die Hotels und Pensionen in Timmendorf waren im Winter geschlossen, wir waren das erste Hotel, das auch im Winter geöffnet hatte, weil wir eben auch im Herbst und im Frühjahr große Tagungen bekamen. Und weil das so viel Aufsehen erregte, dieses Konzept von Tagen und Wohnen unter einem Dach, sind dann ganz schnell andere Städte auf uns zugekommen und haben uns Grundstücke angeboten.

Sie bauen derzeit in Peking ein großes Kongresshotel, ein weiteres ist in Shanghai geplant. Ist der deutsche Markt demnach gesättigt?

Es hängt jedenfalls nicht mit der Wirtschaftslage zusammen, sondern damit, dass wir tatsächlich mit unseren Hotels in Deutschland flächendeckend vertreten sind. Viel mehr Häuser würden wir auch in Deutschland nicht führen wollen, weil wir uns damit selber kannibalisieren. Also muss ich ins Ausland. Wir haben in den letzten Jahren erhebliche Neuprojekte hinzubekommen. Wir sind mit vier Hotels in Ägypten vertreten, mit drei Häusern in der Türkei und schon seit vielen Jahren in Mauritius, in Malta, in Spanien etc.. Und im Moment sind wir schwerpunktmäßig in China unterwegs.

Ein Bild wie aus 1001 Nacht: Das Maritim-Hotel Galatzo auf Mallorca Quelle: NRW.jetzt

Ein Bild wie aus 1001 Nacht: Das Maritim-Hotel Galatzo auf Mallorca

Und dort werden Sie ihrem Ruf gerecht, sich um jedes Detail selbst zu kümmern?

Ja, natürlich. Aber man muss sich auch mit dem Eigentümer abstimmen, was teilweise sehr hilfreich ist, denn wir wissen nicht immer, welche Behörden man ansprechen muss, damit man etwaige Sondergenehmigungen bekommt, das können die Partner vor Ort viel besser.

Aber es fällt auf,  dass Europa in Ihren Planungen derzeit nicht stattfindet…

Nein keineswegs, ich suche auch in Europa.  Das Schwierige ist nur, ein innerstädtisches Grundstück in einer Großstadt zu finden, das groß genug ist, um ein Hotel mit einem Kongresszentrum darauf zu bauen. Wir haben das Problem, dass wir nicht nur in die Höhe bauen können. Andere Hoteliers, die nur Zimmer anbieten, können natürlich einen schlanken Hochhausturm nehmen und sind damit hochzufrieden. Wenn wir einen Saal von 3.000 Quadratmetern Grundfläche bauen, der stützenfrei ist, dann kann man natürlich aus statischen Gründen nicht darüber in die Höhe bauen. Es ist deshalb sehr mühsam, in Paris, Budapest oder Wien geeignete Grundstücke zu finden.

Sie machen mit Maritim deutlich  über 400 Millionen Euro Jahresumsatz und haben 49 Hotels – gibt es einen Masterplan, wohin die Reise noch gehen soll?

Wenn ich Ihnen erzähle, dass ich hier in Deutschland bei den Projekten zwischen acht und 14 Jahre brauche, bis ich einen Standort identifiziert, das richtige Grundstück gefunden und das Hotel gebaut habe, dann können Sie sich vorstellen, dass das nicht immer so im Sekundentakt planbar ist. Wir sind in vielen Ecken auf der Welt unterwegs, und natürlich ist es wünschenswert, wenn wir wachsen. In China wollen wir jetzt relativ schnell wachsen, weil China ein so großer Markt ist. Da macht es Sinn, sehr schnell mehrere Hotels anzubieten, um erst einmal die Marke Maritim bekannt zu machen. Und das scheint uns auch zu gelingen. Den Vertrag für Shanghai haben wir unterschrieben, das Hotel wird bereits im Frühjahr eröffnet. Wir sind aber in anderen Standorten in China auch unterwegs und hoffen, dass wir in einigen Wochen noch weitere Verträge unterschreiben können.

Ist das beschauliche Bad Salzuflen eigentlich der richtige Sitz für ein global aktives Unternehmen dieser Größe? Wären da nicht Metropolen wie Berlin, München oder Düsseldorf bessere Standorte?

Ja, das wäre auch schön. Ich würde dann wohl München bevorzugen. Einige Mitarbeiter würden auch mitgehen, aber man muss wissen: Wir sind ein Unternehmen, das hier gewachsen ist. Einige unserer Mitarbeiter sind 30 oder 40 Jahre bei uns. Wenn wir umziehen, dann würden wir mindestens die Hälfte des Know-Hows verlieren. Und das kann ich meinem Unternehmen nicht antun, da bin ich vorsichtig. Jeder einzelne Mitarbeiter hier hat so viel Wissen angesammelt, das macht die Zusammenarbeit sehr komplikationslos. Hier brauchen wir keine großen Meetings, weil jeder genau weiß, wo die Schnittstellen sind, oder wann er jemanden informieren muss. Und es kommt noch etwas Zweites hinzu. In Zeiten, in denen man mit e-Mail, Handy etc. auf der ganzen Welt erreichbar ist, ist es völlig egal, wo man sitzt und arbeitet.

Uns fällt auf, dass Ihre Preispolitik sehr moderat ist, viele Businesshotels liegen preislich viel höher. Welche Rolle spielt jetzt in der Wirtschaftskrise die Preispolitik?  Würden die Leute bei zehn Euro mehr nicht auch noch zu Ihnen kommen?

Das glaube ich nicht. In Zeiten der Krise geht es leider immer auch um den Preis. Wobei man sagen muss: Wir sind Dienstleister, und wenn man vergleicht, was man für einen Klempner bezahlt, der die Anreise schon mal berechnet und dann für fünf Euro eine neue Schraube einsetzt, dann müssen wir unseren Gästen auch klar machen, dass wir auch nicht billiger sein können als jeder Andere. Wir zahlen unseren Mitarbeitern ordentliche Löhne. Ich denke, dass wir mit moderaten Preisen auch schlechte Zeiten gut überstehen. Es ist erwiesen – ich bin ja auch in den Gremien von Hotelverbänden aktiv – dass die Fünf-Sterne-Hotels als erstes in so einer Krise leiden. Viele Firmen, die Tausende von Mitarbeitern abbauen müssen, können es sich gar nicht leisten, dass ihre Führungskräfte jetzt noch im Fünf-Sterne-Hotel absteigen. Die Pharmaindustrie hat seit mehreren Jahren einen Kodex, der besagt, dass man nur in Ausnahmefällen in Fünf-Sterne-Hotels tagen darf. In Berlin habe ich von Fünf-Sterne-Hotels gehört, die ihren fünften Stern wieder zurück gegeben haben, damit sie wieder buchbar für Firmen werden, die ihren Mitarbeitern verboten haben, Fünf-Sterne-Hotels zu buchen.

Sie haben ein neues Konzept entwickelt bei Maritim, die sogenannten Patientenhotels. Was ist denn das?

Eine ganz neue Idee, die hoffentlich demnächst auch in die Umsetzung geht. Es ist kein normales Hotel, sondern ein Hotel für Patienten eines Klinikums. Klinikum und Gesundheitswesen müssen heute mehr auf die Kosten achten. Es hat sich herausgestellt, dass man allein für die Verpflegung und Reinigung des Zimmers ca. 170 bis 190 Euro braucht. Also das, was wir typischerweise als Hotel auch machen – wir können es aber wesentlich günstiger. Weil wir eben nicht hochqualifizierte Krankenschwestern das Essen bringen lassen, sondern durch Servicepersonal aus der Gastronomie und Hotellerie. Und so ist der Gedanke entstanden, dass die Kliniken entlastet werden, wenn sie sogenannte Low Care-Patienten kurz vor der Entlassung die letzten Tage in ein Hotel verlegen, das sich auf dem Klinikgelände befindet, sodass die Patienten unter ärztlicher Aufsicht bleiben.

Sie sind Volljuristin, war das für Sie selbstverständlich, dass Sie irgendwann in die Fußstapfen Ihres Vaters als Hotelchefin treten? Oder hatten Sie ganz andere Pläne?

Also ich hab mir die Freiheit gelassen, zu studieren und zu lernen, was ich wollte. Meine Eltern haben mich darin auch bestärkt, meinen Lebensweg selber zu finden. Ich habe Jura studiert, weil man mit dieser Ausbildung später eine breite Auswahl an Möglichkeiten hat. Ich bin auch an der Universität geblieben und habe dort promoviert. Aber dann ergab es sich, dass der letzte Mitgesellschafter meines Vaters aus dem Unternehmen aussteigen wollte und da haben meine Schwester und ich entschieden, dass wir seine Anteile aufkaufen, sodass es ab dann ein reines Familienunternehmen war, unser eigenes Unternehmen. Ich fand es interessant, im eigenen Unternehmen zu arbeiten und die Hotelwelt von innen heraus kennenzulernen. Heute stellt sich mir nicht mehr die Frage nach einer Alternative: Meine Arbeit macht mir Spaß!

Sie sind seit zwölf Jahren Aufsichtsratsvorsitzende und seit 1986 in leitender Funktion im Unternehmen. Was ist heute Ihre Motivation? Geht’s ums Geld verdienen, geht’s um den Wettbewerb, geht’s darum, vorn zu sein oder einfach nur um Pflichtbewusstsein?

Pflichtbewusstsein wäre wohl ein bisschen wenig, wenn man so viel Zeit opfert wie ich. Da muss es ein bisschen mehr sein. Man muss motivieren und versuchen, die Mitarbeiter mitzuziehen und auch Verständnis für Entscheidungen zu wecken. Auf der anderen Seite ist es einfach ein tolles Arbeitsumfeld, das ich mir eigentlich nicht schöner vorstellen kann. Ich hätte ja auch eine Schraubenfabrik erben können. Dann hätte ich es mit rechts- und linksdrehenden Schrauben zu tun. Das wäre vielleicht auch prickelnd, man kann damit auch Geld verdienen, aber da ist doch unsere Branche viel interessanter.

Wir bewegen uns ständig in Luxushotels, die an den schönsten Standorten auf der ganzen Welt stehen. Ich muss demnächst wieder nach Mauritius. Viele würden gerne mitkommen. Oder ich muss mal schnell für 14 Tage nach China. Da reise ich durch Städte, deren Namen ich noch nie gehört habe, um mir neue Standorte anzuschauen. Es sind interessante Zielorte, an denen viele Leute gerne mal Urlaub machen würden. Man hat immer gutes Essen und Trinken, man hat interessante Gesprächspartner, trifft auf unterschiedlichste Kulturen, wenn man unterwegs ist. So ein schönes Arbeitsumfeld wie in der Hotellerie gibt es nirgendwo anders. Und dann kommt natürlich auch der Austausch mit den Mitarbeitern, die hoffentlich motiviert sind, wenn ich ab und an mal in unsere Hotels komme…

…auch mal überraschend oder immer mit vorheriger Ankündigung?

… manchmal auch überraschend. Unerkannt kann ich mich leider nicht bewegen, da bin ich dann doch zu bekannt. Aber ich denke, dass viele Mitarbeiter sich auch freuen, mich mal persönlich kennenzulernen. Ich versuche auch immer zu vermitteln, dass ich genauso wie jeder andere Mitarbeiter vor Ort hart arbeite. Nur wenn jeder sein Bestes gibt, werden wir gute Ergebnisse erzielen und unsere Gäste zufrieden stellen.

Man sagt Ihnen nach, dass Sie sehr sparsam sind und dass Sie sich ab und zu selbst um kleinste Details kümmern – bis hin zum Auswählen der Teppiche für alle Ihre Hotels.

Nicht nur ab und zu, ständig, ja. Zu unserem Konzern gehört bis heute dieses Architekturbüro, das unsere Hotels plant und baut, wie z.B. unser neuestes Haus in Düsseldorf. Und natürlich ist das Konzept, wie wir das Hotel planen vom ersten Pinselstrich an mit mir und der Geschäftsführung  abgestimmt.

Haben Sie überhaupt noch Freizeit oder leben Sie nur fürs Hotelgeschäft?

Ein bisschen freie Zeit gibt es noch. Aber Sie müssen sich vorstellen, die Reisen, die ich unternehme, finden natürlich speziell am Wochenende statt, damit ich hier im Büro nicht viel fehle. Und gerade wenn man in den Nahen Osten fliegt oder nach China, dann braucht man die Wochenenden schon noch dazu, um wenigstens ein paar Tage vor Ort sein und sich alle Dinge anschauen zu können oder Partner zu treffen. Also, die Wochenenden sind sehr begrenzt, an denen ich privat Zeit habe. Ich gehe gern mal in eine Oper oder ein Konzert. Ich wandere auch manchmal mit Freunden wenige Tage im Jahr in den Alpen. Golf spiele ich auch gern auf dem Maritim-eigenen Golfplatz in Warnsdorf an der Ostsee – nur leider viel zu wenig.

Gibt es irgendwo auf der Welt ein entlegenes Fleckchen, wo Sie sagen, da werde ich irgendwann ein Hotel bauen?

Dazu bin ich zu realistisch. Hotels zu bauen und erfolgreich zu betreiben, ist harte Arbeit. Wir suchen uns schon die Standorte aus, von denen wir denken, dass wir Geld verdienen können. Trotzdem kann sich die Wirtschaftlichkeit eines Standortes im Verlauf der Zeit ändern, wie unser Haus in Gelsenkirchen zeigt. Zu Boomzeiten errichtet, kam dann der Umbruch im Ruhrgebiet, und das Hotel hat dann natürlich auch gelitten. Jetzt läuft es seit vielen Jahren wieder gut. Was ich sagen will: Man muss bei einer Immobilie sowieso schon immer relativ vorsichtig sein, weil man langfristig denken muss und Einflüssen ausgesetzt ist, die man nicht immer in der Hand hat.

Glauben Sie, dass Frauen für die Hotellerie besondere Fähigkeiten haben, weil sie quasi die geborenen Gastgeberinnen sind?

Nein, eigentlich nicht. Eine Gastgeberrolle zu spielen und  zu verinnerlichen, das ist einfach eine Philosophie in der Hotellerie, die bei Männern und Frauen gleich ist.

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  • Dr. Monika Gommolla: NRW.jetzt

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