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Handwerk: „Zugpferd der Binnenkonjunktur“

Das nordrhein-westfälische Handwerk steht gut da und glänzt mit einem ordentlichen Konjunkturlage-Index. Einige Fragezeichen werfen sich aber auch für die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ auf.

Das Handwerk hat goldenen Boden, weiß der Volksmund, und dass eine handwerkliche Ausbildung dank vielfältiger Karrierechancen und unternehmerischer Perspektiven durchaus zukunftsträchtig sein kann, gehört auch nicht zu den großen Geheimnissen der Menschheit.

Einen Beweis für die wirtschaftliche Stärke des Handwerks des Landes liefert die Handwerkskammer Düsseldorf in ihrem aktuellen Konjunkturlage-Index, der im November erschienen ist – mitten in wirtschaftlichen Wirren der Eurozone und geopolitischen Verwerfungen, die sich bis heute nicht substanziell zum Guten verändert haben. Der von der Handwerkskammer seit 40 Jahren per repräsentativer Umfrage erhobene Index weist mit aktuell 86 Prozent den zweitbesten Wert seit der Jahrhundertwende aus. Immerhin 35 von 100 Unternehmen beschreiben die geschäftliche Situation allgemein als „gut“, nur 14 Prozent als problematisch, heißt es bei der Handwerkskammer.

Ertragslage stärken

„Harte“ Indikatoren untermauern die aktuell günstige Beurteilung der Konjunkturlage durch das Handwerk. Sowohl der Auftragseingang (Saldo aller Befragten leicht im Plus), die Betriebsauslastung (78 Prozent / Frühjahr 74 Prozent) als auch die Auftragsreichweite (5,4 Wochen / 4,9 Wochen) legten im Vergleich zur Frühjahrsumfrage zu. Außerdem überwog der Anteil der Unternehmen, die höhere Verkaufspreise durchsetzen und auf diese Weise ihre Ertragslage stärken konnten.

Nur die Umsätze seien laut Handwerkskammer dem guten allgemeinen Geschäftsklima nicht unmittelbar gefolgt: Denn nur 25 Prozent der befragten Inhaber verbuchten seit dem Frühjahr nach eigenen Angaben steigende Umsätze; 28 Prozent dagegen sinkende. Die Umsatzentwicklung bleibt damit zum dritten Mal in Folge etwas hinter den zuvor formulierten Erwartungen zurück. Für den seit Frühjahr amtierenden Handwerkskammer-Präsidenten Andreas Ehlert – er folgte auf den nach schwerer Krankheit verstorbenen langjährigen Präsidenten Professor Wolfgang Schulhoff – ist das nicht verwunderlich: „Immer noch prägen die Rekordzuwächse des Jahres 2011 das generelle Stimmungsbild. Viele Betriebe konnten vom hochwirksamen ‘Konjunkturpaket II’ von Bund und Land profitieren.“ Dazu kämen stabile Beschäftigungszahlen, betont Andreas Ehlert.

Insgesamt haben die 188.206 Betriebe des NRW-Handwerks (1,1 Millionen Beschäftigte, 84.000 Auszubildende) in 2014 einen Gesamtumsatz von 107 Milliarden Euro erzielt; ein Anstieg um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Keine Eintrübung in Sicht

Erst einmal sieht der Kammerpräsident keine Eintrübung der Stärke des Handwerks. „Bis auf weiteres bleibt das Handwerk Zugpferd der Binnenkonjunktur.“ Er warnt aber auch vor Enthusiasmus: „Die Eintrübung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums wird im nächsten Jahr jedoch auch das Handwerk erfassen.“ Impulse aus der Bundesregierung, endlich ein energetisches Gebäudesanierungs- und Mobilitätsprogramm aufzulegen, das die Investitionsschwelle spürbar senke und verstärkt auf Steueranreize setze, seien wichtig, um das Handwerk als Stabilitäts- und Beschäftigungsgaranten und als Schrittmacher der Binnenkonjunktur zu erhalten.

Andreas EhlertQuelle: Handwerkskammer Düsseldorf

In diesem Zuge kritisiert Ehlert auch die geplante Kürzung des Handwerkerbonus. Künftig sollen nach Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Anrechenbarkeit von Handwerkerleistungen um ein Viertel gekürzt werden. Die so eingesparten 400 Millionen Euro sollen in ein rund fünf Milliarden Euro schweres Energieeffizienz-Programm fließen, das vor allem die Dämmung und Beheizung des Gebäudebestandes verbessern soll. Auch die E-Mobilität soll attraktiver gemacht werden, unter anderem, indem Firmen bei der Anschaffung strombetriebener Fahrzeuge bis zu 90 Prozent der Kosten erstattet erhalten. „Das Handwerk spricht sich klar gegen eine Verrechnung des Handwerkerbonus mit einer Steuerförderung der energetischen Sanierung aus“, kommentiert Andreas Ehlert.

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Handwerk: Handwerkskammer Düsseldorf

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