Wirtschaft, Politik und Leben in Nordrhein-Westfalen

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Den Gürtel enger schnallen? Ja, wie denn noch?

von MARC KNIFFKA

DUISBURG – Corona bedeutet für Viele Homeoffice, Kurzarbeit oder eine völlige Einstellung ihrer Arbeit. Lohnkürzungen, Lohnverzicht und für viele Selbstständige, Gastwirte und Dienstleister seit Monaten Nullrunden mit versprochenen staatlichen Soforthilfen, die nicht oder nur schleppend bei den Hilfesuchenden ankommen. Wie aber sieht es bei den Ärmsten der Armen aus?

Mehr als 5,3 Millionen Menschen erhalten in unserem Land zur Zeit Hartz IV – Tendenz steigend. Das bedeutet ein Leben am Limit mit 432 Euro zum Überleben. Wie weit ein jeder mit wöchentlich rund 100 Euro auskommen kann entscheidet sich dann, wenn gerade einmal nicht eine mögliche Versicherung, die Telefon- und Stromrechnung oder die Zuzahlung für eine Brille das knappe Budget zusätzlich schmälert. Für Viele bedeutet es dann, dass es keine warmen Mahlzeiten und auch nicht das Pausenbrot in der Schule gibt. Selbst der kleine Luxus – das Sixpack Bier von Aldi oder die selbstgestopfte Zigarette – ist spätestens zum Monatsende für die meisten der Hartz IV Empfänger nicht mehr möglich.

Abhilfe oder Beihilfe schaffen da die Tafeln, die Aussortiertes und Übriggebliebenes verteilen, um die größte Not zu lindern. Wie sieht es aber zu Corona-Zeiten bei den Tafeln in Deutschland aus? Wer geht da hin und wie steht es um das derzeitige Angebot?

Dienstag Nachmittag – drei Wochen vor Ostern. Das Wetter ist diesig, der Wind kalt. Im Duisburger Stadtteil Homberg-Hochheide, umgeben von Hochhäusern, tristen Straßenzügen und Ein-Euro-Shops, liegt in einer Seitenstraße ein unscheinbares wenig einladendes Mehrfamilienhaus. Im Erdgeschoss eine Glastüre aus den 70er Jahren mit allerlei Aufklebern und Aushängen. „Hilfe mit Hartz IV Nachweis“, „Corona Regeln und Abstand bitte einhalten“. Drinnen angelangt steht der Autor bei der „Hochheider Tasche“ – so heißt die Einrichtung – eine halbprivate Organisation, getragen von der evangelischen und katholischen Kirche. Es riecht nach Pilzen und Basilikum.

Im Eingang stehen je zwei Kartons davon, die noch an eine andere Tafel weitergegeben werden sollen. Man hilft sich untereinander. Links geht es in einen Raum, wo zwei offene Kühlschränke stehen und große Regale mit Kisten voller Obst und Gemüse. Ein Blick in die Kühlregale zeigt, dass es am nächsten Ausgabetag nicht viel geben wird. Eine Kombikiste voller Wurstprodukte, daneben eine mit Käse. Etwas abseits stehen sechs Fruchtzwerge und zwei große Eimer Vanillepudding. Aber es warten noch drei Bananenkisten voller Kühlprodukte eines Supermarktes, die noch einsortiert werden müssen. Enthalten sind acht Tüten Milch, die auf das doppelte angeschwollen sind, Bärchenwurst für Kinder, die schon 38 Tage abgelaufen ist und weitere Vanillepuddings die allesamt aussehen, als könnte man damit Klebstoffflaschen füllen. Alles ungenießbar. Der Inhalt landet nach eingehender Kontrolle vollständig im Müll.

Etwas weiter die Regale voller Obst und Gemüse. Das Angebot sieht gut aus mit einer attraktiven Auswahl. Davor stehen mehrere Mülleimer und man zeigt etwas weiter auf sechs großen Biotonnen. Mehr als die Hälfte wurde vorher bereits aussortiert – schlecht, matschig und verschimmelt. Es gibt noch Brot und Blumen und dann war es das auch schon mit dem Angebot für den nächsten Tag. Rund 200 Bedürftige werden erwartet und viele werden mit halbleeren Einkaufsbeuteln wieder nach Hause gehen. Die freiwilligen Helfer sehen rat- und hilflos aus. Es ist Corona und die Spenden kommen nicht mehr an. Während früher zumeist ältere Menschen „die Tasche“ mit einigen Euro unterstützten, fällt dies nun aus Angst vor Ansteckungen fast völlig weg. Auch die Supermärkte haben kaum noch etwas übrig, denn zu Corona-Zeiten bleiben nicht viele Lebensmittel in den Regalen liegen. Ein Teufelsrad, dass nicht durchbrochen werden kann.

Eigentlich wollte der Autor für die Kinder zu Ostern ein Ostereiersuchen organisieren – etwas Schönes, Buntes und mit viel Schokolade, aber auch das ist zu Corona-Zeiten leider nicht möglich. Aber wo ein Wille, da ein Weg. Man einigt sich auf Gutscheine für den Kaufland von gegenüber. Fünf Euro für jedes Kind und zehn Euro für jeden Rentner – dazu für alle Schoko-Osterhasen. Bei Kaufland dann die große Überraschung! Kaufland ist bereit, die Osterhasen zu übernehmen, und für die Kinder gibt es Osterkörbchen-Bastelbögen. Ausschneiden, ausmalen und mit Namen beschriften. Dafür gibt es dann zwei Tage vor Ostern prall gefüllte Osterkörbchen voller Süßkram. Eine kleine große Freude in schweren Zeiten.

Doch was geschieht nach Ostern? Die Einkaufstaschen werden weiterhin halbleer bleiben und Spenden werden ausbleiben. Es wird weiterhin kein Pausenbrot oder ein Stück Käse geben, denn an die Ärmsten der Armen wird viel zu wenig gedacht.

Wenn Sie helfen möchten, dann helfen Sie gezielt ohne das Spendengelder wegbürokratisiert werden. Schon mit wenigen Euro können Sie Menschen glücklich und vor allem satt machen. Unter https://www.hochheider-tasche.de findet man „St.Franziskus Duisburg-Homberg, Stichwort “Hochheider Tasche”, IBAN: DE32 3546 1106 7317 8560 10“ oder helfen Sie Ihrer Tafel vor Ort.

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Hochheider_Tasche_Tafel: marc kniffka

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