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„Betreuung in häuslicher Gemeinschaft“: Etablierte Alternative zum Pflegeheim

Bei der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft – auch 24-Stunden-Betreuung genannt – leben Betreuungskräfte mit einem Senior in einem Haushalt und übernehmen alle Aufgaben, die der Senior in der Vergangenheit selbst erledigt hat. Das schafft für Senioren die Möglichkeit, den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen, auch wenn die Gesundheit schwächelt. Es gibt aber in der Branche viele Herausforderungen.

Die Zahlen sind eindeutig. In Deutschland gibt es rund 17,5 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Damit bildet die Zielgruppe Senioren einen prozentualen Anteil von rund 21 Prozent an der Gesamtbevölkerung in Deutschland. 2060 wird der Anteil laut Berechnungen bei rund 34 Prozent liegen. Zugleich sind im Alter natürlich viele Menschen auf Unterstützung angewiesen. Dann machen die Knochen nicht mehr mit, wie sie sollen, vielleicht wird man auch ein wenig vergesslich, oder aber eine chronische Krankheit macht den Alltag komplizierter als in der Vergangenheit.

Dazu kommen weitere gesundheitliche Risiken, die vor allem die ältere Generation betreffen. Schon jetzt leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf. Und die Tendenz bei den Neuerkrankungen ist weiter steigend. „Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzkranken kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf rund drei Millionen erhöhen“, meldet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Betreuung in häuslicher Gemeinschaft: Im Lebensabend hohe Lebensqualität sicherstellen

„Das bedeutet, dass die Gesellschaft sich in Zukunft immer mehr auf einen wachsenden Betreuungs- und Pflegebedarf einstellen muss. Diesen gilt es aber mit den herkömmlichen Methoden erst einmal zu decken, was kaum möglich ist, da Deutschland bei Pflegeplätzen bereits völlig unterversorgt ist. Daher wächst die Bedeutung der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft“, sagt Stefan Lux, Geschäftsführer des Unternehmens SHD Seniorenhilfe aus Dortmund, das im Rheinland, im Ruhrgebiet und in Westfalen umfassende Dienstleistungen in der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft für Senioren anbietet. Das Unternehmen arbeitet mit mehreren 1000 Betreuungspersonen zusammen und bietet den Kunden die gesamte Beratung, Organisation und Logistik, die Kunden haben einen festen Ansprechpartner.

Quelle: © SHD
Aber was verbirgt sich hinter diesem Service eigentlich? „Bei der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft leben Betreuungskräfte mit einem Senior in einem Haushalt und übernehmen alle Aufgaben, die der Senior in der Vergangenheit selbst erledigt hat. Damit erhalten ältere Menschen die Unterstützung, die sie wirklich benötigen, um den Verbleib in den eigenen vier Wänden und eine hohe Lebensqualität sicherzustellen. Ebenso arbeiten die Betreuungskräfte professioneller Unternehmen eng mit den jeweiligen Ärzten und Therapeuten sowie bei Bedarf mit dem medizinischen Pflegepersonal zusammen. Das schafft die Möglichkeit, den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen“, erklärt der Unternehmer und nennt zugleich den alternativen Begriff für dieses Konzept, der sich mittlerweile eher eingebürgert hat. „Die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft wird oftmals auch als 24-Stunden-Betreuung bezeichnet. Das beschreibt das Konzept aber nicht korrekt. Es muss doch klar sein, dass eine Betreuungskraft keine 24 Stunden am Tag arbeiten kann. Vielmehr geht es darum, dass die Betreuungskraft in den wirklich wichtigen Situationen zur Verfügung steht und dann wesentliche soziale und medizinisch-hygienische Leistungen erbringt. Dennoch ist die 24-Stunden-Betreuung ein allgemein akzeptierter Begriff.“

24-Stunden-Betreuung: Kampf für zukunftsfähige Rahmenbedingungen

Stefan Lux verweist auf Zahlen des Branchenverbandes VHBP (Verband für häusliche Betreuung und Pflege), die die Bedeutung der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft klarmachen. Ohne diese Form der Betreuung wären zusätzlich 200.000 bis 300.000 Heimplätze nötig– und zwar unmittelbar. Das sei aber ein Ding der Unmöglichkeit, weil hierfür das Personal fehle. Stefan Lux und seine Branchenkollegen, mit denen er als stellvertretender Vorsitzender des VHBP regelmäßig im Austausch steht, kämpfen daher für eine breitere Anerkennung der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft – und für vernünftige rechtliche Regelungen, besonders hinsichtlich der Absicherung der Betreuungspersonen. „Die allermeisten Betreuerinnen kommen aus Osteuropa. Sie haben aber mit vielen arbeits- und sozialrechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen, was sie oftmals in die Schwarzarbeit drängt. Diese Situation wollen wir verändern und zukunftsfähige Rahmenbedingungen für Senioren, Betreuungspersonen und Unternehmen schaffen.“

Beim VHBP betont man dies ebenso: „Wir orientieren uns an Österreich, das über ein eigenes Hausbetreuungsgesetz die Rechte und Pflichten der Kunden und der Betreuungspersonen klar geregelt hat. Damit schaffen wir für die Betreuungspersonen legale Beschäftigungsverhältnisse.“ Die legale Beschäftigung biete umfassenden Schutz, sodass die Branche Verantwortung für Hunderttausende von Betreuungspersonen übernehme.

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Stefan Lux: © SHD

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