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Nach widerwärtiger Mobbing-Attacke: Heinrich Schmitz bleibt künftig stumm

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Von KLAUS KELLE

Köln – Der Rechtsanwalt Heinrich Schmitz ist kein bequemer Mann. Er ist einer, auf den der Begriff des Querdenkers zutrifft, wie auf wenige andere. Und weil er es ernstnimmt, ein Staatsbürger in einer freien Gesellschaft zu sein, erhebt er seine Stimme immer dann, wenn ihn etwas ärgert oder er Entwicklungen in die falsche Richtung feststellt. Bis heute schrieb er öffentliche Kommentare, bis zuletzt auch beim Internet-Debattenmagazin „The European“. Doch das ist nun vorbei. Heute Morgen hat er mitgeteilt, dass er sich aus öffentlichen politischen Debatten ab sofort zurückzieht. Der Grund ist die Sorge um die Sicherheit seiner Familie.

„Ich bin nicht mehr bekloppt genug, diese Sicherheit für etwas zu riskieren, was ohnehin nur einen sehr begrenzten Teil der Bevölkerung erreicht“, schreibt Schmitz heute in einer öffentlichen Stellungnahme. Was vergangenen Samstag passiert ist, schildert Schmitz selbst:

„Auf der Fahrt zu einer meiner Töchter klingelte plötzlich mein Smartphone. Ich nahm an, unsere Tochter habe nachfragen wollen, wann wir ankämen. Also bat ich meine Frau, ihr kurz Bescheid zu sagen. Da klingelte auch schon ihr Telefon, das sie gleich auf Laut stellte. Eine hektische Frauenstimme fragte sie nach ihrem Namen. Sie sei von der Polizei. Man habe einen Anruf erhalten, meine Frau sei ermordet worden. Die Leiche befände sich in unserem Haus. Die Privatanschrift habe der Anrufer ebenfalls genannt. Die Polizei sei gerade in unserem Haus und suche nach der Leiche. Das klang für mich alles so absurd, dass ich meine Frau bat aufzulegen, derart derangiert könne keine Polizistin reden. Ich hatte das Telefonat schon fast in die Abteilung ‚galoppierender Schwachsinn‘ verbannt, als wir bei unserer Tochter ankamen. Sie stand zitternd da, weil ihr die Polizei gesagt hatte, es sei mitgeteilt worden, dass ihr Vater ihre Mutter ermordet hätte. So was kommt ja in den besten Familien vor. Ich rief dann bei der Polizei an, die mir bestätigte, dass man in unserem Haus nach der Leiche meiner Frau gesucht habe. Angeblich hätte ein Heinrich Schmitz bei der Polizei angerufen und mitgeteilt, er habe seine Frau ermordet.

Schmitz sieht den Initiator dieser widerwärtigen Aktion im Zusammenhang mit seinem Engagement für die Petition „HeimeOhneHass“, in der gefordert wird, dass Demonstrationen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen nicht mehr direkt vor den Unterkünften stattfinden dürfen. Mehr als 55.000 Bürger haben bisher gezeichnet. Warum Schmitz hier einen Zusammenhang sieht? Vor zwei Wochen war bereits der Initiator dieser Petition, ein junger Student, massiv bedroht worden. Ihm wurde die Ermordung seiner Eltern und Geschwister angekündigt. Nicht in Form einer Drohung, versehen mit irgendeiner Forderung, sondern praktisch als Mitteilung. Besonders beunruhigend: Namen und Adressen der betroffenen Familienmitglieder waren dem Anrufer bekannt.

Für Schmitz ist die Grenze des Erträglichen nun überschritten. Jeder Autor, der öffentlich für oder gegen etwaw etwas klar Position bezieht, kennt Beschimpfungen und Beleidigungen. Immer wieder sind wirre Verbalerotiker unterwegs, die anderen Menschen vorschreiben wollen, was sie denken, sagen, schreiben oder sogar lesen dürfen. Das ist trauriger Alltag in Deutschland geworden. Aber in dem Moment, in dem subtile oder direkte Drohungen gegen Familienangehörige und sogar Kinder erfolgen, nähern wir uns Zuständen, wie wir sie bisher aus der Weimarer Republik und den Unrechtsregimen diverser Coleur kennen. Radikale Feinde der Demokratie machen so etwas, und der Fall Schmitz ist kein Einzelfall, wenn ich zum Beispiel an Nazi- und auch „antifa“-Aufmärsche vor Politiker-Privathäusern in den vergangenen Jahren denke. Wollen wir in einem Land leben, in dem unliebsame Meinungen zukünftig nur unter Polizeischutz stattfinden dürfen? Ich denke nicht.

Ich habe Heinrich Schmitz‘ Kolumnen immer gern gelesen, auch wenn ich sicher bei der Hälfte ganz anderer Meinung gewesen bin als er. Aber er hat gut argumentiert, mit ehrlicher Leidenschaft und Scharfsinn. Genau das ist es, was unserer Gesellschaft zunehmend fehlt – der Wille und die Fähigkeit zu einem respektvollen und engagierten Austausch von Meinungen und Argumenten, selbst wenn sie manchem nicht gefallen. Und deshalb empört mich der aktuelle Vorgang dermaßen. Und ich würde mir wünschen, ich bliebe nicht der Einzige, der das so empfindet.

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Heinrich_Schmitz: heinrich schmitz

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