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Überraschung bei Buchvorstellung in Köln: Günter Wallraff wirbt um Verständnis für Angela Merkel

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von KLAUS KELLE

Köln – „Integration ist kein Zuckerschlecken“ – mit dieser kernigen Aussage stellte die Kölner Marketingexpertin und jetzt auch Buchautorin Emitis Pohl gestern Abend im „Wartesaal“ neben dem Hauptbahnhof ihr Buch „Deutschsein für Anfänger“ vor. 330 Gäste belegten eindrucksvoll, wie brisant und lebendig das Thema Flüchtlinge und Integration in dieser Zeit und an diesem Ort ist. Zur Erinnerung: In der vergangenen Silversternacht hatten hier im Schatten des majestätischen Doms rund 1.500 nordafrikanische „Flüchtlinge“ massenhaft Frauen sexuell belästigt, beklaut und in mehreren Fällen auch vergewaltigt. Emitis Pohl war in der eigentlich feierlustigen Menge vor dem Hauptbahnhof dabei, erlebte die Panik und die Gewalt aus nächster Nähe. „Es war ekelhaft. Die Kinder haben nur noch geschrien“, erinnert sie sich an diese schwarze Nacht von Köln.

Dabei ist sie eine, die Integration selbst vorlebt. Ein Vorbild, zweifellos. Mit 13 Jahren kam das „Kopftuch-Mädchen“ aus Persien, wie sie den Iran auch heute noch nennt, nach Deutschland. Sie biss sich durch, lernte fleißig und diszipliniert. Ein Grundschullehrer nahm sich dem lebhaften Mädchen an und führte sie mit großem Engagement durch die ersten Jahre. Heute ist sie erfolgreiche Geschäftsfrau, eine, die nicht nur redet und gute Ratschläge gibt, sondern eine, die macht. Seit einiger Zeit hat sie sich eines jungen afghanischen Flüchtlings angenommen, hilft ihm praktisch, sein neues Leben in der Domstadt auf die Reihe zu kriegen und eine berufliche Zukunftsperspektive zu entwickeln. Vorgestern erfuhr sie, dass das zuständige Amt in Köln verboten hat, dass der Junge zu Emitis Pohls Buchvorstellung kommen durfte. „Die wussten nicht einmal, wie der Junge mit Namen richtig heißt“, empört sich die Autorin. Auch den Vater des Jungen kenne man – anders als sie selbst inzwischen – in der Behörde nicht. „Und dann legt man mir Steine in den Weg, wenn ich helfen will.“ Das Telefonat mit dem Amt, so erzählte man gestern am Rande der Veranstaltung, muss wohl überaus temperamentvoll verlaufen sein.

Temperamentvoll – das ist Emitis Pohl zweifellos. Sie fordert eine strenge Hand gegenüber den vielen jungen Flüchtlingen, die in Köln und überall in Deutschland auf eine Chance hoffen. Fordern müsse man sie, sagt die Autorin. Aber auch bestrafen, wenn sie – wie in der Silvesternacht – rote Linien deutlich überschreiten. „Wenn ich Dich auf der Straße treffe, würde ich auch die Seite wechseln“, frotzelte Pohl den bulligen marokkanisch-stämmigen Kabarettisten Abdel Karim an, der für launige Glanzlichter des Abends sorgte. So wie: „Flüchtlinge aus Persien kommen hier mit einem akademischen Diplon an. Marokkaner lassen sich dort nieder, wo ihnen der Sprit ausgeht….“

Unter den prominenten Gästen des Abends sah man die CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler, IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt und Frau Burger, die Witwe des Kölner Alt-OBs. Und der Bestseller-Autor Günter Wallraff, der politisch geradezu über sich hinauswuchs. Als bekennender Gutmensch startete er erst eine spontane Spendensammlung unter den „sicher wohlhabenden Gästen“ im Saal für Flüchtlingsprojekte. Und tatsächlich wurde spontan eine Art Klingelbeutel aus Glas organisiert, die sich schnell füllte. Und dann der Hammer: Wallraff, bekennender Wechselwähler zwischen SPD, Grünen und Linken warb um mehr Verständnis für Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU und ihre Flüchtlingspolitik, nicht ohne vorher zu versichern: „Ich habe die Frau nie gewählt.“ Ob er es allerdings im kommenden Jahr tun wird, ließ Wallraff offen….

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • emitis_pohl_koeln_13-10-2016: emitis pohl

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