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Ein „Schurke“ im Rollstuhl auf Mission für Christus

Von KLAUS KELLE

Krefeld – Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch einmal Josef Müller erleben könnte. In Krefeld und am Vortag in Köln hatten am Pfingstwochenende einige Hundert Besucher das Vergnügen. Josef wer? Der Mann aus Fürstenfeldbruck mit dem Allerweltsnamen ist ein Energiebündel, und er führt ein Leben, das mit Berg-und-Tal-Fahrt nur sehr unvollständig beschrieben ist. Als junger Mann kommt er mit seinem Auto nach dem Disko-Besuch von der Fahrbahn ab, rast in einen Wald und endet an einem Baum. Seine Begleiterin und er überleben, doch Josef Müller trifft ein hartes Schicksal. „Sie werden ihr ganzes Leben im Rollstuhl verbringen müssen“, sagt ihm der Professor im Krankenhaus und wünscht zum Abschied noch einen schönen Tag.

Viele Menschen verzweifeln an einem solchen Schicksal, doch Müller nimmt es an. Er wird selbständiger Steuerberater, gründet eine eigene Kanzlei, dann eine weitere, noch eine und die vierte im Zentrum von München. Der Mann im Rollstuhl hat Erfolg. Seine Geschäfte laufen bestens, jedes Sommer-Wochenende fährt er mit Freunden zum Gardasee auf seine Yacht, Champagner-Flaschen kreisen, Weißwürste und Brez’n werden von München nach Italien von Freunden geliefert. Dann trifft er Bruce, einen Amerikaner aus Miami, der ihn bittet, eine Erbschaft in Deutschland gewinnbringend anzulegen. In vier Koffern transportiert er 20 Millionen Dollar von Miami nach München, ohne dass der Zoll etwas bemerkt. Heute unvorstellbar. Erst später erfährt Müller, dass es sich bei dem Geld keineswegs um eine Erbschaft, sondern den Gewinn aus Drogen- und Waffengeschäften handelte. Der bayerische Junge, Sohn eines Polizeibeamten und einer Krankenpflegerin, badet im Erfolg. Er verdient Geld fast im Schlaf, er hat ein „goldenes Händchen“. Menschen, die ihn gar nicht kennen, überweisen Geld und bitten, es gewinnbringend anzulegen. Eine zeitlang geht das gut, aber dann gibt es auch Rückschläge. Josef Müller leiht sich Geld von Mandanten, viel Geld, doch er kann es nicht zurückzahlen. Neben Alkoholproblemen und Drogen wird auch noch sein Hauptkunde, Bruce aus Miami, festgenommen und will sein Geld zurück. Doch Müller hat nichts mehr.

Über London flieht er in die USA und taucht unter. Das FBI und das bayerische LKA suchen weltweit nach dem angesehenen Mitglied der Münchner Schickeria. Die Medien machen sich lustig über die Fahnder, die einen Mann im Rollstuhl nicht finden können. Als er nach Wien fliegt, um sich dann in Deutschland zu stellen, wird er vorher im Hotel verhaftet. Josef Müller, nebenberuflich Honorarkonsul von Panama, ist erledigt. Fünfeinhalb Jahre sitzt er in der Haftanstalt, in der später auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß einsitzen muss.

Josef Müllers Weg wurde ein anderer. In seiner Zelle, in den schwärzesten Stunden seines Lebens, fand er einen Zugang zum Glauben. Weil er nicht wusste, wie man richtig betet, schrieb er sich seine Gedanken auf einen Zettel und betete das erste Mal in seinem Leben zu Jesus Christus – nicht ohne zu bitten, dass der ihn aber nun auch ein Zeichen senden soll, dass es ihn wirklich gibt. Das Zeichen kam natürlich nicht – oder sagen wir, fünf Tage später.

Nach der Entlassung nimmt der Millionen-Gauner sein Leben wieder in die Hand. Doch nicht um Geld scheffeln und Dolce Vita geht es fortan, sondern um Mission. Er schreibt zwei Erfolgsbücher, eines über sein Leben („Ziemlich bester Schurke“) und ein Ermutigungsbuch für Gestrauchelte („Go!“) Und absolviert innerhalb von zwei Jahren 350 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen landauf, landab. Die meisten Säle sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Lebensgeschichte eines einst überaus erfolgreichen Lebemannes, der gestrauchelt und tief gefallen ist, und der nun glaubhaft als Missionar für Jesus Christus unterwegs ist, fasziniert nicht nur den Autor dieser Zeilen. Wie gesagt: Jeder sollte ihn erleben und ihm zuhören können. Dann wären die Kirchen wahrscheinlich deutlich voller.

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Josef_Müller_Krefeld_15.05.2016: Josef Müller

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