Wirtschaft, Politik und Leben in Nordrhein-Westfalen

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Rot-Grün in NRW abgewählt – Kommt nun Schwarz-Gelb?

von WERNER HERPEL

Düsseldorf/Berlin – Für viele ist Schwarz-Gelb im Stammland der SPD nur Formsache – auch wenn sich die FDP noch ziert. Neben dem Düsseldorfer Koalitionspoker ist Nordrhein-Westfalen spätestens ab heute Startrampe für den Bundestagswahlkampf.

Am 24. September wird wieder gewählt – doch dann geht es nicht um Hannelore Kraft oder Armin Laschet, sondern um Angela Merkel oder Martin Schulz.

WORÜBER DENKT DIE SPD JETZT NACH?

Der enttäuschte SPD-Hoffnungsträger bleibt dabei: Wahlkampf, das kann ich, versicherte Schulz am Wahlabend. Aber natürlich sei dieser Sonntag «ein Tag, der sicher dazu beitragen wird, dass wir nachdenken müssen». Fragt sich nur: Worüber? Vielleicht über mehr konkrete Vorschläge. Strategen in der Berliner Wahlkampfzentrale räumen ein, es sei falsch gewesen, Schulz im April abtauchen zu lassen: «Der Hype hätte mit Inhalten stärker unterfüttert werden müssen.» Also: Wo steht Schulz bei der Inneren Sicherheit, in der Wirtschaftspolitik, beim neuen Europa? Der Kandidat weiß jetzt, dass er allein mit dem Thema Soziale Gerechtigkeit wohl kaum Kanzler wird. Bald will er Ideen zu Steuern, Rente und Bildung präsentieren. Aber in der SPD-Führung wird auch über einen kompletten Kampagnen-Neustart nachgedacht – inklusive personeller Veränderungen. Denn das aktuelle Team sei zu unerfahren.

STELLT MERKEL DEN SEKT KALT?

Das würde so gar nicht zur nüchternen CDU-Chefin passen. Jetzt nur die Ruhe bewahren – so lautet Merkels Devise, für Niederlagen und Siege gleichermaßen. Und auch: Den Gegner ernst nehmen, selbst wenn er am Boden liegt wie jetzt die SPD nach dem NRW-«Leberhaken» (SPD-Vize Ralf Stegner). Auch nach dem unerwarteten Triumph an Rhein und Ruhr kommt Merkel erst am Tag darauf mit dem Spitzenkandidaten auf die Bühne des Konrad-Adenauer-Hauses. Und sie wird womöglich wiederholen, was sie schon eine Woche zuvor gesagt hatte, als CDU-Außenseiter Daniel Günther in Schleswig-Holstein gewann: «Eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl.» Statt Merkel sagte am Abend ihr Kanzleramtschef Peter Altmaier: «Wir bleiben auf dem Boden.» Und Wolfgang Bosbach, der im NRW-Wahlkampf für das Thema Innere Sicherheit einstand, riet der CDU via «Welt», «mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu bleiben und jede Form von Arroganz und Überheblichkeit zu unterlassen».

SCHWARZ-GELB BALD AUCH IM BUND?

Das wäre für viele in der Union die beste Lösung, denn die meisten Schnittmengen sieht man weiterhin mit der FDP. Eine Koalition von CDU und Liberalen in Nordrhein-Westfalen wäre etwa nach Einschätzung von CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn ein «starkes Signal für den Bund». Wenn dieses Bündnis im bevölkerungsreichsten Land funktioniere, «wäre das ein Zeichen, dass es auch bundesweit geht». Auch CDU-Landeschef Laschet betonte vor der NRW-Wahl, die größten Übereinstimmungen sehe er mit der FDP. Deren bundesweite Form ist aber der entscheidende Punkt. FDP-Chef Christian Lindner weiß, dass seine Truppe im Osten schwach auf der Brust ist. Bundesweit steht die Partei derzeit bei sechs Prozent, Schwarz-Gelb liegt hier also noch in weiter Ferne. (dpa)

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Christian Lindner: dpa

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