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„Ich versuche, interessante Geschichten zu erfinden“

Im Interview mit NRW.jetzt spricht Horst Eckert, der als einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschsprachigen Krimiautoren gilt, über sein Schaffen und die Bedeutung seiner Wahlheimat Düsseldorf. Am Rhein fühle er sich wohl, sagt Eckert, und Düsseldorf werde Zentrum seiner Romane bleiben. Weitere Infos zum Autor und seinen Romanen gibt es unter www.horsteckert.de.

Herr Eckert, Sie gehören zu den renommierten Krimiautoren in Deutschland, sind mehrfacher Träger literarischer Preise. Was, meinen Sie, macht den Reiz Ihrer Romane und Kurzgeschichten aus?

Ich versuche, interessante Geschichten zu erfinden und sie möglichst gut zu erzählen. Neben der Spannung, die im Krimi das A und O ist, gehören dazu Figuren, die einem beim Lesen ans Herz wachsen, die zum Mitfiebern einladen. Im Idealfall sagt die Geschichte etwas über unser eigenes Leben aus und die Lektüre schärft den Blick auf die Gesellschaft und sich selbst. Intelligente Unterhaltung – ob ich dieses Ziel erreiche, entscheiden die Leserinnen und Leser.

Wie würden Sie Ihre Literatur selbst beschreiben? Sehen Sie sich in einer bestimmten literarischen Tradition? Folgen Sie vielleicht Friedrich Glauser nach, Raymond Chandler oder noch anderen? Oder gar niemanden?

Als ich vor zwanzig Jahren anfing, hatte ich Vorbilder, die meinen Geschmack geprägt haben, und die beiden, die Sie nennen, stehen als Ahnherren in einer ganzen Linie von Autoren, in deren Nachfolge ich heute mit vielen anderen Autoren stehe. Gelernt habe ich aber auch von mittelmäßigen Büchern – indem ich mir beim Lesen überlegt habe, was mich daran stört und wie man das vielleicht besser erzählen könnte.

Ihre Bücher gelten – vor allem im Kontext vieler eher betulicher Krimis deutscher Herkunft – als durchaus brutal. Sehen Sie das auch so? Und wenn ja, welchen Zweck erfüllen drastische Schilderungen in Ihren Romanen?

Im Lauf der Jahre bin ich etwas milder geworden, oder meinen Sie nicht? Brutalität um des bloßen Gruseleffekts willen finde ich ohnehin fragwürdig. Aber oft erscheint eine Szene zwangsläufig brutal, auch wenn man die blutigen Details gar nicht ausbreitet. Weil zum Beispiel eine Figur in Todesgefahr schwebt und wir die Situation aus ihren Augen, mit ihren Gedanken erzählt bekommen. Die Welt ist nun einmal brutal. Das ganz auszublenden, fände ich verlogen.

Ihr neuer Ermittler heißt Vincent Veih und ist Kommissar in Düsseldorf. Der Stadt, in der Sie seit vielen Jahren leben. Was bedeutet Düsseldorf für Sie als gebürtiger Oberpfälzer? Immerhin halten Sie es schon fast 30 Jahre am Rhein aus.

Und zwar ganz gut! Ich kam wegen meiner Frau hierher, habe mir die Stadt also nicht ausgesucht, fühle mich aber sehr wohl hier. Die Lebensqualität ist enorm. Und als Autor kann ich fast jede Geschichte hier ansiedeln, ohne dass sie unglaubwürdig wird. Ich kann erzählen, was ich will, ohne eine andere Stadt erfinden zu müssen.

Was macht denn in Ihren Augen den typischen Düsseldorfer aus? Wie beschreiben Sie Freunden, Familie und Bekannten die hiesige Mentalität?

Man soll Menschen ja nicht pauschalisieren und in Schubladen stecken, denn jeder ist anders. Aber ich habe auch in Bayern und in Berlin gelebt und finde schon, dass am gängigen Vorurteil etwas dran ist: Rheinländer sind nicht auf den Mund gefallen, zugleich freundlich und tolerant. Ich mag auch die Mentalität des Ruhrgebiets, und im lebendigen Düsseldorf mischt sich viel von alldem.

Bleiben wir in Düsseldorf. Ihr aktueller Band „Schwarzlicht“ rückt eine politische Affäre in den Vordergrund, vor allem die CDU kommt nicht sonderlich gut weg. Sehen Sie sich als politischen Krimiautor?

Ja, unbedingt. Aber in einem allgemeinen Sinn, denn Sie werden aus meinen Romanen keine Botschaften herauslesen können. Als Schriftsteller darf ich daran arbeiten, die Urteilskraft der Leserinnen und Leser zu schärfen, sie zum Nachdenken einzuladen. Aber sie in eine Richtung zu drängen, wäre arrogant. Zumal ich auf viele Fragen selbst keine Antwort weiß. In meinen Romanen vertreten die Figuren unterschiedlichste Meinungen. Das macht es dann spannend. Und dass in „Schwarzlicht“ ein CDU-Mann ermordet wird, liegt ganz einfach daran, dass ich den Eindruck vermeiden wollte, ich hätte es auf die reale amtierende Ministerpräsidentin abgesehen. Die wirklichen Politiker sind mir nicht wichtig. Ich nutze allenfalls ihre Eigenheiten, um etwas allgemein Menschliches zu erzählen.

Wird Düsseldorf auch weiterhin eine Rolle für Ihre Romane spielen? Oder dürfen wir uns in Zukunft auf einen Kommissar in Sidney oder Kuala Lumpur freuen?

Mein Rechercheaufwand ist schon groß genug, denn ich versuche, alle Milieus meiner Geschichten möglichst authentisch zu beschreiben. Wenn ich das in ferne Länder verlegen würde, käme ich ja aus dem Recherchieren nicht mehr heraus! Wobei ich gelegentlich Abstecher mache, wenn es der Roman verlangt. „Purpurland“ beginnt in Afghanistan, ein paar Kapitel von „Ausgezählt“ handeln in Kambodscha. Aber Düsseldorf bleibt im Zentrum. Die Stadt ist zu groß und bunt, um mir langweilig zu werden.

Wir erleben in Deutschland seit einigen Jahren einen wahren Boom sogenannter Regio-Krimis, ob am Niederrhein oder im Allgäu, in Köln oder auf einer Nordsee-Insel. Sind Ihre Düsseldorf-Krimis auch Regiokrimis? Sehen Sie sich als ein Vertreter dieser Gattung?

Nein. Ein Ort ist wichtig, um die Handlung zu erden. Aber ihn zum entscheidenden Kriterium zu machen, hat mit Literatur nichts zu tun. Die Regio-Schublade verniedlicht. Meine Romane sind Krimis oder Thriller und alles andere als niedlich. Oder anders gesagt: Sind die „Buddenbrooks“ ein Lübeck-Roman? Ja, aber nicht in erster Linie.

Sie sind Politologe und haben lange Zeit als Journalist gearbeitet. Welche Erfahrungen konnten Sie aus diesen Bereichen für Ihr literarisches Schaffen mitnehmen?

Auch wenn ich das nicht konkret messen oder benennen kann, war diese Zeit für mich sehr wertvoll. In fünfzehn Jahren als Journalist für verschiedene Sender und meistens frei habe ich mit jeder Reportage, jedem Nachrichtenbeitrag ein neues Thema kennengelernt. Ich bin froh, das alles erlebt zu haben.

Im März erscheint Ihr neuer Roman „Schattenboxer“. Was können Sie uns dazu schon erzählen?

In „Schattenboxer“, Vincent Veihs zweitem Fall, legt ein Mörder die Leiche seines Opfers auf dem noch frischen Grab einer Selbstmörderin ab. Obwohl die beiden jungen Frauen einander nicht kannten, glaubt Vincent an eine Verbindung und stößt schließlich auf ein Komplott, in dem seine eigene Mutter, eine ehemalige RAF-Terroristin, eine Rolle spielt. Seien Sie gespannt!

Bildquellen (Titel/Herkunft)

  • Horst Eckert: privat

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